Die früheren Buchsbäume des Dresdner Zwingers

Ein verschwundener Garten unter dem Innenhof

Der Duft von Orangen umwehte bereits zu früheren Zeiten die dreistöckige gemauerte Terrassenanlage, die Matthäus Daniel Pöppelmann ab dem Jahre 1709 für Kurfürst August den Starken baute.

Doch der Hofbaumeister schuf auch einen Garten mit vier Wasserbecken in der Mitte des Hofes, der zweimal umgestaltet wurde. Ringsherum waren die Becken von Gartenflächen in Ornament-Optik umgeben. Rasenflächen und Buchsbaumhecken lockerten das Bild auf, während farbige Kies-Umrandungen die Gestaltung vervollständigten. Interessant ist, dass die damaligen Beckenränder niedriger als heutzutage ausfielen. So mussten Rasen, Kiesbänder und Hecken ein zu nahes Herantreten durch Besucher auf natürliche Weise verhindern.

Es ist keine Wunschvorstellung eines märchenhaften Ortes, wie die Nachforschungen und Grabungen des promovierten Bauforschers und Archäologen Hartmut Olbrich deutlich zeigen. Denn er fand Reste von Wegen und Pflanzgruben, welche die Existenz eines Gartens im Hof belegen. Überdies stammen sie mit den historischen Plänen überein.

Diese kleine Oase war übrigens bereits in der Zeit von 1709 bis 1718 angelegt und bepflanzt, als am Gebäude des Zwingers noch Bauarbeiten ausgeführt wurden. Durch diesen Umstand konnte August der Starke Gäste durch den Zwinger führen und ihnen das imposante Bauwerk gleichzeitig vor Augen führen. Sie kamen an hohen Buchs- und Taxusbäumen vorbei, die an hölzernen Pfählen gesichert waren. Insbesondere von den Galerie-Dächern aus schauten die Zwinger-Gäste auf die prächtigen Gärten hinab und erfreuten sich an ihnen.

Doch im Jahre 1719 tilgte die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha die Garten-Anlagen im Innenhof. Der Ausbau des Zwingers schritt zwar forsch voran, doch das Grün musste für den Festplatz weichen. Der festliche Turnierplatz ließ nun eine Leere zurück, da die Pflanzen bereits ab Ende 1718 ausgegraben wurden.

Der Hofbaumeister Pöppelmann schien seinem Garten lange nachzutrauern, wie sein Kupferstich aus dem Jahre 1729 andeutet. Zu sehen ist ein ornamental gestalteter Garten, der dem archäologischen Ergebnis im Zwingerhof überaus nahe kommt.

Heute duften hier zahlreiche Orangenbäume in den Sommermonaten, die das Schlösserland Sachsen im Hof des Zwingers aufstellt. Doch wer das frühere Geheimnis des Ortes kennt, wird sich womöglich noch mehr Grün an dieser Stelle wünschen.