Mit dem Löschschlauch aus dem Schrank

Wie die hauseigene Feuerwehr der Festung Königstein auf dem Burgberg zurecht kommt.

Man sieht es immer mal wieder im Stadt-Bild: ein Kätzchen wird per Feuerleiter aus dem Baum gerettet oder die gesamte Mannschaft rückt zum Löschen eines Hausbrandes an. Doch wie reagieren die Mitarbeiter auf der unwegsamen Festung Königstein, sobald in ihren alten Gemäuern ein Brand ausbricht? Das Zauberwort heißt hier: nicht öffentliche Festungsfeuerwehr! Nicht zu verwechseln mit den drei Königsteiner Ortsfeuerwehren, aber auch nicht zu unterschätzen. Die vierte Wehr half bereits außerhalb ihrer ritterlichen Umgebung beim Hochwasser in Pirna und beim Elbeschlamm wegspritzen.

Neu ist die löschende Haustruppe der Festung nicht: bereits vor über 100 Jahren halfen sich die Burg-Mitarbeiter selbst und formierten eine eigene Feuerwehr hoch oben über Königstein. Eine große Drehleiter findet auf dem Burg-Gelände auch heute keinen Platz. Die Betriebsfeuerwehr, die auf dem Festungsplateau übt und löscht, wickelt ihren Löschschlauch mit Pistole aus einem dicken Schrank im Inneren der Festung. Doch wer mitmacht, ist ohnehin in die technischen Abläufe eingeweiht. So sind die Vollzeitmitarbeiter der Festung Königstein alle gemeinsam in die Lösch-Dienste involviert und widmen sich gemeinsam zwei Stunden im Monat der Lösch-Praxis.

Es ist ja auch nicht so, dass es noch nie brannte: nach dem großen Feuer im Jahre 1900 im Proviantmagazin gab es zwar keine Großfeuer mehr, doch auch Papierkorb-Dämpfe oder schwelender Rauch nach einem Blitzeinschlag bedürfen eines Einsatzes. Auch der blinde Alarm ist durch ein irrtümliches Auslösen oder das Betätigen der Handmelder durch BesucherInnen nicht selten. Doch auch diese Situation ruft schnell einmal die Freiwillige Feuerwehr aus Königstein, die im Falle eines Brandes übrigens die Hauptlast trägt, sowie die Festungsfeuerwehr auf den Plan. Da es in diesem Fall schnell gehen muss und in den Lastenaufzug der Festung maximal der Leitwagen sowie der kleine Rüstwagen Platz finden, wird gern der Löschwagen der Festungsmitarbeiter genutzt. Gerade auch dann, wenn sie bereits im Feierabend sind.

Unterstützung beim Löschen liefern übrigens die vier Wasserstrahlsysteme auf der Festung, die das Feuer anhand ihrer feinen Wasserschleier schnell ersticken und die Umgebung weniger unter Wasser setzen. Das Löschwasser des Tanks wechseln die Feuerwehr-Mitarbeiter einmal jährlich, wozu endlich die 18 Meter hohe DDR-Leiter, die 1982 in Luckenwalde gebaut wurde, an der Zeughausfassade hochgekurbelt wird. Ohne die historisch anmutende Technik würde es hier nicht gehen, denn hochmodernes Gerät ist hier nicht nutzbar. Die Mitarbeiter präparieren das Löschwasser auch hygienisch frisch – wenn schon, denn schon!

Die festungseigene Feuerwehr kommt allen BesucherInnen zugute, denn für die beinahe 500 000 Gäste, die sich die Festung Königstein im letzten Jahr ansahen, wird Sicherheit groß geschrieben. Auch Schulklassen wandern gern den Berg zur stattlichen Festung hinauf und kühlen sich in den Sommermonaten auf ihrer Schulreise oder einem Tagesausflug in den urigen Stein-Gängen der Burg. Die 14 Feuerwehrmänner im Alter von durchschnittlich 55 Jahren sorgen während ihrer praktischen Übungen auch gleich für Sauberkeit: sie befreien die Dachrinnen mit ihrem Schlauch von Laub und Ästen oder entfernen hartnäckigen Vogeldreck. So sorgen sie in einer Übungseinheit gleichzeitig für ein sauberes Burg-Ambiente, an dem sich die SchülerInnen erfreuen werden.

Und keine Angst: sobald der Kanonen-Donner in den Wäldern am Fuße der Steinmauern erhallt, ist der Grund dafür keine Explosion der elektrischen Wasser-Pumpe, sondern vielmehr ist dann wieder Zeit für die alljährliche Veranstaltung „Kanonendonner über dem Elbtal“. Denn ohne Action geht es auf der Festung Königstein nicht!